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Improvisierte Begegnungen Auszüge aus der SZ vom 4.2.06,

Die "Konzertvernissagen" der Cellistin Johanna Varner  

Klammheimlich hat sich eine Szene für improvisierte Musik in München etabliert, die mittlerweile ein respektables Ansehen genießt. Vergleiche mit den traditionellen Zentren der Improvisation wie Amsterdam oder London liegen nahe. Die Aktivposten dieser Szene haben sich bereits vor etlichen Jahren zu einem Verein, dem so genannten ICI Forum München zusammengefunden, um die Problemen des gegenwärtigen Musiklebens, beispielsweise die Finanzierung nichtkommerzieller Projekte, besser stemmen zu können. Seit geraumer Zeit hat sich die Cellistin Johanna Varner in diesem Umfeld einen Namen gemacht. Nicht nur als hervorragende Musikerin, sondern ebenso mit unermüdlichem Organisationstalent und Begeisterung als Veranstalterin in eigener Sache.

Als Initationserlebnis galt ihr die Begegnung mit dem Instant Composers Pool (ICP) in Amsterdam im Rahmen eines Stipendiums des Kulturreferats vor zwei Jahren. Die Konzert-Aktivitäten des Amsterdamer Kollektivs faszinierten Varner derart, dass sie entschlossen war, auch als Veranstalterin tätig zu werden. Immer auf der Suche nach neuen Räumen, etwa für die Konzertreihe "Internationale Begegnungen", entstand das Konzept der Konzertvernissage. "Die Idee war eigentlich, raus aus den Kulturtempeln und rein in die Stadtviertel zu gehen", so Varner. Es ging darum, den Graben zwischen Publikum und Künstlern zu beseitigen. "Wie bei einer Vernissage sollen die Leute mit den Musikern vor oder nach dem Konzert bei einem Glas Wein ins Gespräch kommen können." Das funktioniert ausgezeichnet. So zum Beispiel Ende November vergangenen Jahres in der Galerie Wittenbrink. Da begeisterte der niederländische Jazz-Schlagzeuger Han Bennink mit einem einheimischen Quintett ein überraschend gemischtes Publikum, darunter ganze Familien aus der Nachbarschaft. Um derlei spannende Begegnungen herbeizuführen, bedarf es der Unterstützung. So hat sich nun die Jury des Deutschen Musikrats begeistern lassen, und fördert (mit dem Kulturreferat) immerhin die nächsten vier Konzerte der Reihe.

Die nächste Gelegenheit, ein solches Konzert zu erleben, bietet sich am Samstag, in der Himmelfahrtskirche (Kidlerstraße 15, 20 Uhr). Gemäß der großzügigen Akustik des Raumes verbinden sich unter dem Motto "Echoes of Motion" zwei eingespielte Duos zu einem Quartett. Zum einen das Duo von Johanna Varner (Cello) mit ihrem Mann Christofer Varner (Posaune, Muscheln, Didgeridoo), und als Gäste aus London das Duo von Barry Guy (Bass) und Maya Homburger (Barockvioline). ......Daneben gönnen sich die vier Musiker allerdings ausschweifend Raum und Zeit für freie Improvisation, und freilich ein Glas Wein bei entspanntem Rumstehen mit dem Publikum, wie es sich für eine Vernissage gehört. TOBIAS SÖLDNER